ERSTES FORSCHUNGSPROJEKT AN DER UNIVERITÄTSKLINIK - ZENTRUM FÜR KINDERHEILKUNDE - IN BONN

STEIGERUNG DER ÜBERLEBENS-CHANCEN BEI BETROFFENEN ZWILLINGEN VON 10 % AUF CA. 70 % UNTERSTÜTZT DURCH DIE SCHÄPER-STIFTUNG - NEUWIED


Abhängig vom Zeitpunkt der Eiteilung entwickelt sich bei eineiigen Zwillingen eine zum Teil vollkommen unterschiedliche intrauterine Situation.

Bei einer sehr frühen Teilung bilden sich zwei unterschiedliche Fruchthöhlen und zwei getrennte Placenten. Erfolgt die Teilung erst zu einem sehr späten Zeitpunkt, so finden sich siamesische Zwillinge in einer gemeinsamen Fruchthöhle.

Bei etwa einer von 1.800 Schwangerschaften besitzen die eineiigen Zwillinge zwar getrennte Fruchthöhlen, sind jedoch durch eine gemeinsame Placenta miteinander verbunden. Durch arterielle und venöse Gefäßverbindungen kann es zu einer Aneinanderkopplung der beiden Kreislaufsysteme der Feten kommen.

Durch noch unverstandene Bedingungen kann es dann zu einer ungleichmäßigen Verteilung der Kreislaufanteile durch gerichteten Bluttransfer von einem Spender auf einen Empfänger kommen. Die Reaktion des Spenders auf den Volumenverlust besteht in einer Steigerung der Herzaktion und einer Verminderung der Flüssigkeitsausscheidung über die Niere. Der Empfänger versucht mit der vermehrten Flüssigkeitsmenge durch Dehnung der Herzkammern und Steigerung der Flüssigkeitsausscheidung zu reagieren. Während der Spender einen Volumenmangel, eine starke Verminderung der Nierenfunktion und einen Verlust des Fruchtwassers erlebt, muß der Empfänger mit einem Überangebot an Volumen durch gesteigerte Nierenfunktion und vermehrte Fruchtwasserbildung fertig werden.

Das Wachstum des Spenders wird in hohem Maße beeinträchtigt, während der Empfänger zumindest zu Beginn einen Wachstumsvorteil hat. Dieses Krankheitsbild kann heute erfolgreich durch eine intrauterine Trennung der Gefäße durch Verödung der Verbindungen mit Hilfe eines Lasers behandelt werden. Es gelingt damit, im Mittel die Schwangerschaft bis zu 33 Wochen fortzusetzen. Die Überlebenschancen der Kinder (ohne Behandlung ca. 10 %) steigen nach Behandlung auf ca. 70 %.

Die Untersuchung überlebender Zwillingspaare bietet wissenschaftlich besondere Möglichkeiten. Beide Kinder haben intrauterin vollkommen unterschiedliche Kreislauf- und Versorgungssituationen erlebt. Der über Wochen bestehende Mangel bzw. Überfluß an Nährstoffen führt wahrscheinlich zu lebenslangen Veränderungen. Da bei beiden Kindern der exakt identische genetische Hintergrund besteht, können hier die Auswirkungen unterschiedlicher äußerer Umstände exakt studiert werden. Überlebende Zwillinge nach fetofetalem Transfusionssyndrom sind deshalb in geradezu idealer Weise dazu geeignet, die Auswirkung krankhafter fetaler Zustände zu studieren.


Projektvorhaben:

Nachuntersuchung von ca. 100 Kindern nach intrauteriner Lasertherapie bei fetofetalem Transfusionssyndrom. Dabei sollen folgende Parameter untersucht werden:

  • körperliche Untersuchung
  • ausführliche neurologische Untersuchung
  • standardisierter Entwicklungstest
  • Erfassung der Wachstumsparameter
  • bei überlebenden Zwillingspaaren Untersuchung der Nierenfunktion anhand von Parametern aus Serum und Urin sowie Untersuchungen zur Leistung des Immunsystems durch Bestimmung der Immunglobulinspiegel und der Impftiter.


Durchführung:

Die Patienten sollen zentral an der Universitäts-Kinderklinik Bonn nachuntersucht werden. Hier stehen alle notwendigen Arbeitsmittel zur Verfügung.


Beantragte Finanzmittel:

Die Kosten für die Arbeitsmittel und die Laboruntersuchungen werden von der Universitäts-Kinderklinik Bonn getragen. Von der Stiftung beantragt werden Mittel zur Reisekostenerstattung und bei aufgrund langer Anfahrt notwendiger Übernachtung in Bonn eine Erstattung der Hotelkosten. Bei sehr weit entfernt wohnenden Eltern soll versucht werden, durch Untersuchungstermine, z. B. in München und Berlin, die Anfahrtsstrecken für die Eltern stark zu reduzieren. Hier sollen die Reisekosten für die Untersucher erstattet werden. Aufgrund bisheriger Erfahrungen mit Nachsorgestudien ist von einem Finanzbedarf von ca. € 60,-- pro Patient auszugehen, so daß für ca. 100 Patienten ein Gesamtvolumen von € 6.000,-- beantragt wird.


Zeitablauf:

Zu allen Patienten wurde bereits telefonisch und schriftlich Kontakt aufgenommen. Die Untersuchungen sollen ab April 2002 durchgeführt werden.